1. Liebe Forumsgemeinde,

    aufgrund der Bestimmungen, die sich aus der DSGVO ergeben, müssten umfangreiche Anpassungen am Forum vorgenommen werden, die sich für uns nicht wirtschaftlich abbilden lassen. Daher haben wir uns entschlossen, das Forum in seiner aktuellen Form zu archivieren und online bereit zu stellen, jedoch keine Neuanmeldungen oder neuen Kommentare mehr zuzulassen. So ist sichergestellt, dass das gesammelte Wissen nicht verloren geht, und wir die Seite dennoch DSGVO-konform zur Verfügung stellen können.
    Dies wird in den nächsten Tagen umgesetzt.

    Wir danken allen, die sich in den letzten Jahren für Hilfesuchende und auch für das Forum selbst engagiert haben.

abgezockt und ab in die armut.

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von akiem, 5. August 2004.

  1. hm

    hm Active Member

    @schaumberger

    In einem Punkt hast du recht, es sind finanzielle Einschnitte nötig. Aber warum bitte immer von denjenigen die eh schon nichts haben. Warum hat 5% der Bevolkerung über 90% des Kapitals und das reicht ihnen ja noch nicht einmal.
    Ich schätze mal du (..wie die meisten von uns in diesem Tread) befindest dich in der beineidenstwerten Lage Dir um deinen Job derzeit keine Sorgen machen zu müssen. Hast zudem vielleicht eine gute Ausbildung und verdienst auch nicht schlecht und bist zudem noch in einer Alterklasse wo ein Jobwechsel noch nicht so problematisch ist (wäre).
    Erst kürzlich brachte der bayerische Rundfunk einen Bericht über Jobsuchende im Freistaat die allsamt >nur< gerade mal über 40 waren. Dabei waren Leute die wirklich nicht aufgaben, teils einen zweite Berufsausbildung machten und auch einige die echt kreativ und selbst schon in verantwortungsvollen Positionen ihren Mann (..oder Frau) standen. Erschreckend dabei war, das selbst so hochqualfizierte und erfahrene Leute keinen Job fanden obwohl schon zig Bewerbungen schrieben. Der Hauptgrund, und das wurde ín diesem Bericht recherschiert war einfach, - sie waren mit über 40 schon zu alt. Die Rechnung der Arbeitgeber lautete dazu wie folgt. Ein jungerer Arbeitnehmer ist billiger, weniger Krank und natürlich >formbarer< als ein älterer. Die Erfahrung, früher eine Argument für die ältere Generation, zählt heute fast nichts mehr. Da kann man dann nur hoffen das unsereiner mit über 40 nie Arbeitslos wird.
    Natürlich gibt es genügend >Sozialschmarotzer< die entweder nicht arbeiten wollen oder ínzwischen auch den Mut verloren haben. Aber wer behauptet, es liegt grundsätzlich an den Arbeistsuchenden selbst das Sie keinen Job finden der macht es sich in der heutigen Zeit auch etwas zu einfach. Und wenn Job dann, - wer kann heute noch von 6 EURO Stundenlohn seinen Lebensunterhalt bestreiten wenn eine normale Zwei Zimmerwohnung heute in der Miete schon mindestens 600 EURO kostet, dann hab ich aber noch nicht´s zu Essen. Polnische Löhne und deutsche Preise, - das funktioniert nicht. Hier geht es dann nicht um Luxus, sondern schlicht um ergreifend, wie >lebe< ich weiter, auch und gerade mit Hartz IV.

    Grüsse Heinz
     
  2. Zwiebelfisch

    Zwiebelfisch New Member

    @hm
    "Die Rechnung der Arbeitgeber lautete dazu wie folgt. Ein jungerer Arbeitnehmer ist billiger, weniger Krank und natürlich >formbarer< als ein älterer. Die Erfahrung, früher eine Argument für die ältere Generation, zählt heute fast nichts mehr."

    Der junge Arbeitnehmer ist billiger, weil er weniger Erfahrung hat, und er ist "formbarer" weil er keine Alternative hat.
    Dass er weniger krank ist wird so nicht zutreffen.

    In dem Unternehmen, in dem ich (52) arbeite, wird ähnlich verfahren.
    Das hängt aber hauptsächlich damit zusammen, dass die jungen Chefs selbst von der Materie mangels Erfahrung keine Ahnung haben, und nun mal niemanden gebrauchen können, der weiss, wie es geht.
    Und Untergebene, die wissen, dass sie nichts wissen, sind brutaler in der Umsetzung dessen, was sich ihr Chef ausdenkt.

    Das geschieht nach dem Prinzip der Kriegsmarine: Nichtschwimmer kämpfen länger um ihr Schiff!!!!

    Es besteht keine Hoffnung auf Besserung, es sei denn, die "Straße" regelt es!
     
  3. ab

    ab New Member

    vor der letzten wahl "brauchte" eine partei eine bekannte, da sie etwa zweihundert stimmen organisieren konnte. hat sie auch gemacht. die kleine partei kam ins stadtparlament.

    und was hatte der herr lokalpolitiker nicht alles versprochen.

    doch heute: er grüsst noch knapp, geht ansonsten jeder diskussion aus dem weg. - dafür ist sein bauch runder geworden.

    ab
     
  4. maiden

    maiden Lever duat us slav

    das eigentliche Problem ist doch, daß alle wissen, daß Reformen nötig sind, aber wenn es dann losgehen soll, sagt jeder: fangt beim anderen an.
     
  5. Getamac

    Getamac New Member

    Würde ich nicht unbedingt sagen.

    Ich habe ziemlich lange in Deutschland von der Regelung für die doppelte Haushaltsführung und was da noch so dranhängt profitiert.
    Diesen warmen Regen beim Lohnsteuerjahresausgleich fand ich immer sehr angenehm. Aber ich hätte es absolut eingesehen, wenn das weggekürzt worden wäre, solange solche Steuervergünstigungen generell gestrichen worden wären.

    Getamac.
     
  6. Zerwi

    Zerwi Wiederhergestellt

    Daß die Sozialreformen jetzt so heftig zuschlagen, hängt eben auch damit zusammen, daß man Reformen in gewissem Umfang bereits viel früher hätte durchführen sollen (vor 10-20 Jahren). Und dann wäre alles wesentlich sanfter und sozialverträglicher abgelaufen.

    Nur warum wurde das nicht gemacht?

    Weil die Politiker Schiß haben und auf Machterhalt bedacht sind! Bei Einschnitten ins soziale Netz hätte doch vor Jahren die ganze Republik (und allen voran die Bild-Zeitung) aufgeheult. Also macht man lieber nix, wenn es nicht unbedingt sein muß - wird schon gutgehen, zumindest für diese Legislaturperiode.

    Nun sind wir bzw. die Regierung aber an einem Punkt angelangt, an dem dringendst Taten gefragt sind, sonst bricht das ganze System irgendwann zusammen. Die sozialen Systeme sind nicht mehr wie bisher finanzierbar (was rein rechnerisch auch irgendwann mal klar sein mußte, vor allem nach der Wiedervereinigung) und die Staatsverschuldung steigt immer mehr. Die SPD/die Grünen müssen also handeln, es bleibt ihnen gar nichts anderes übrig. Kriegen dafür natürlich von allen in die Fresse.

    Nun isses also schmerzhaft. Aber leider notwendig. Und wird auch verständlicherweise als ungerecht und unsozial angesehen. Vieles hätte man sicher auch anders machen können. Aber das Hauptproblem ist: Die Maßnahmen kommen um Jahre zu spät und sind daher umso drastischer.

    Ob die CDU/CSU es besser machen würde? Machen wir uns nichts vor, einige Aussagen von deren Seite in den letzten Monaten läßt mich befürchten, daß noch viel härtere Einschnitte anstehen, wenn die Opposition an der Macht ist. Und seid Euch sicher, die ziehen das dann auch durch, denn wir alle haben uns bis dahin daran gewöhnt, daß der goldene Sozialstaat nicht mehr existiert. Die SPD hat dann dafür voll auf Maul bekommen, die CDU kann beruhigt weiterreformen und -kürzen.

    Da muß Deutschland jetzt leider durch. Und nach einem Regierungswechsel wird es nicht angenehmer werden, das ist IMHO sicher.
     
  7. hm

    hm Active Member

    Tja, sind die Sozialreformen ungerecht oder werden Sie nur so empfunden? Ich denke der grösste Teil der Bevölkerung ist vom ersten überzeugt und wenn man sich so umsieht ist das auch durchaus verständlich. Auf der einen Seite das Kapital, das eigentlich schon längst bestimmt wo´s lang geht in diesem Land. Menschen, die sich auf kosten anderer Bedienen (...siehe Gehaltserhöhungen in den Chefetagen in den letzten Jahren) und auf der anderen Seite die erpresserischen Forderungen an die Seite der Arbeitnehmer. Hier wird mit den Existensängsten der Menschen gespielt. Geht es uns wirklich so schlecht ? Sicher, solange es vermögende Menschen gibt die sich aus ihrer sozialen Verantwortung stehlen können und diese auch noch von der Regierung in ihrem Handeln unterstützt werden fehlt Geld das kein Arbeitsloser dem Staat sparen kann. Und auf der anderen Seite, Menschen die wenig haben und in Zukunft warscheinlich noch weniger haben werden, wo soll das hinführen? Wie >Zwiebelfisch< schon richtig erkannte, die ersten Anzeichen das etwas passiert sind bereits da, die Menschen beginnen auf die Strasse zu gehen. Eine zunehmende Radikalisierung wird wohl folgen, den Menschen die nichts mehr zu verlieren haben (..auch ein Prinzip der Radikalisierung in der dritten Welt) sind zu allem Bereit, nötigenfalls auch zu Gewalttaten. Und weiter, kommt dann eines Tages vielleicht wieder ein grosser Verführer, ein Demagoge der das Volk blendet..... ??? Und davor müssten wir uns dann warscheinlich alle fürchten....

    Grüsse Heinz
     
  8. MacDragon

    MacDragon New Member



    Full ACK
    Es muss jetzt einfach was passieren und die Richtung ist klar. Die Politiker wirtschaften in die eigenen Tasche, und der Foederalismus blockiert jede Reform (Siehe Bildungsreformen, Studiengebuehren etc.). Es wird nicht mehr debattiert sondern thematisiert in praktischen 5 s Soundbites. Die Medien sind darauf aus schlechtes in allem zu finden (ich mag Panorama ja aber die sind irgendwie ec ht nicht nur Moralapostel sondern alles, was das alte Deutschland ist....).

    Naja, wenn Japan 10 Jahre braucht...wie lang weren wir wohl brauchen.

    @ Turik

    Schlau kombiniert! Nah dran, aber auch richtig :D
     
  9. Schaumberger

    Schaumberger Wurschthaut, alte

    Es geht doch hier gar nicht um gerecht oder nicht. Unser soziales Umlagesystem (egal ob Arbeitslosenvers./Rentenvers. oder Krankenvers.) beruht darauf, dass sehr Viele (z.B.Arbeitnemehmer) sehr Wenigen (z.B. Arbeitssuchenden) helfen. Nimmt nun die Zahl der "wenigen" überhand, geht diese Rechnug einfach nicht mehr auf. Jetzt hat man zwei Möglichkeiten. Der kleiner werdenden Mehrheit (Arbeitnehmern) immer mehr abzuverlangen (und damit den Faktor Arbeit noch teurer zu machen) oder der wachsenden Minderheit etwas wegzukürzen.
    Meiner Meinung wäre es mehr als falsch die ohnehn schon hohe Abgabenlast auf den Löhnen weiter zu erhöhen (auch ein Argument für den sozialen Frieden). Dafür die Sozialleistungen (die definitiv NICHT (zu) niedrig sind, das weiss ich als Ex-Arbeitsloser auch aus eigener Erfahrung) zu kürzen empfinde ich als gerechter und auch nachvollziehbarer.


    Man darf auch den Staat nicht dafür verantwortlich machen, das über 45-Jahrige Schwierigkeiten haben eingestellt zu werden. Dafür sind ganz alleine die UNternehmen selbst verantwortlich, dies ist also ein gesellschaftliches Problem. Ich habe allerdings die Hoffnung das sich diese Entwicklung noch umkehrt, da die unzähligen Jahre Berufserfahrng und die damit verbundenen Kompetenz in den Unternehmen fehlt. Wenn sich dort nur noch 30-jährige Karriere-Geier gegenseitig auf ihrem "weg nach oben" auf die Füsse treten, wird das Unternehmen zwangsläufig Probleme in den Führungsstrukturen bekommen. (wie gesagt, hoffentlich!).

    Und zu dem Punkt, dass einige Langzeitarbeitslose, die aufgrund Ihres Alteres nicht eingestellt werden, jetzt eventuel Ihre Altersvorsorge (haus) verkaufen müssen:
    Ich finde es schlicht ungerecht, wenn Arbeitnehmer durch ihre erarbeiteten Abgaben (=Arbeitslosenvers.) jemandem , der über Jahre hinweg NICHTS tut (ob er daran schuld ist oder nicht, ist hier vollkommen egal!!!) den Lebenststandard sichern soll, obwohl, der "Untätige" über ein kleines Vermögen (z.B. Haus) verfügt.

    Wenn man arbeitslos wird, ist das meist eine mittelschwere Katastrophe, man kann und darf einfach nicht erwarten ohne Arbeit über Jahre hinweg auf dem gleichen Lebensstandard zu verharren. Für schlechte Zeiten gibt es "Notgroschen", die werden in den schlechten Zeiten zwangsläufig aufgebraucht. So funktioniert die Welt, unser Sozialsystem ist nur dafür da, diesen Prozess zu verlangsamen, aufhalten kann es ihn nicht!
     
  10. hm

    hm Active Member

    Es geht nicht darum, das der Staat ein Haus weiterfinanziert sondern schlicht und ergreifend darum das Mann (..oder Frau) ihr halbes Leben lang auf dieses Haus gespart und dafür jahrzente lang in die Arbeit gerannt sind. Wenn auf der Hütte noch Schulden sind, ok, - dann kann ich natürlich nicht erwarten das der Staat diese weiterfinanziert. Es kann aber auch nicht angehen, das einem Arbeitslosen alles genommen wird bloß weil der Staat einem das im Grundgesetz verankerte >Recht auf Arbeit< nicht mehr bieten kann. Wo landet ein 50ig Jähriger leztendlich, wenn er keine Chance mehr auf Arbeit hat ???

    Es geht sehr wohl um Gerechtigkeit. Es geht darum das die Vermögenden (..und Prominenten) sich aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen (..dürfen). Es geht auch darum das es immer noch priveligierte Gruppen gibt, die Leistungen vom Sozialstaat (..ob bei den Ärzten oder sonstwo) bekommen, ohne sich zu gleichen Teilen an dessen Finanzierung zu beteiligen. Diese Kette liese sich sicherlich noch weiter fortsetzen, dann kämen aber noch Steuerverschwendung, teurer Bürokratismus usw. dazu.
    Natürlich soll und darf die Arbeit nicht teurer werden aber der erste und schon längst überfällige Weg hierzu wäre endlich auch diesbezüglich >Alte Zöpfe< abzuschneiden, bevor man den Bedürftigen in die Tasche greift. (..was dann sicherlich auch einfacher zu Vermitteln wäre)

    Grüsse Heinz
     

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