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Ist Herr Hartz doof?

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von elektronikengel, 10. August 2004.

  1. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Nein, ich meine das, was ich gesagt habe. Deine Annahme würde m.E. nicht ausreichen, das "System" zu retten.

    Und es ist ja mehr und mehr jetzt schon gängige Praxis: keine 35 Stunden mehr, sondern 38 oder 40, weniger oder kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und obendrauf noch ein Lohnverzicht...
     
  2. benjii

    benjii New Member

    macixus, aber da wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die niemand nützt.

    Das Problem (zumindest in meiner Branche) ist nicht, dass die Leute nicht mehr und länger arbeiten wollen oder keine Einbußen hinnehmen möchten. Das sind Klischees - da arbeiten die Meisten schon so viel sie können, weil schlicht die Angst grassiert. Das Problem ist einfach, dass wir zu wenig Arbeit haben - es sind strukturelle Probleme. Das computergestützte Arbeiten hat zum Beispiel in meiner Branche immens Jobs gekostet - und kostet sie weiter. Da nützt die neoliberale Lehre auch nichts. Sie lässt nur kurzfristig die Falschen aufblühen.

    Dem, der um seinen Job bangt, braucht man im Übrigen nichts davon erzählen, dass das jetzt für das Gesamtsystem Staat ganz nützlich sei...
     
  3. donald105

    donald105 New Member

    richtig. umso unverständlicher ist mir angesichts der tatsachen das genörgele nach mehr, mehr, und das geknöttere von leuten, die sich einbilden, es ginge nach dem sankt-florians-prinzip.
    Mich nervt auch das wenig produktive herumkritteln an den ENDLICH angefangenen reformen -zu zögerlich, noch zu wenig konsequent, zugegeben, aber auch hier ist nicht mehr angesagt zu verhindern, sondern vorwärts zu machen, es ist allerhöchste zeit - da ist 16 jahre lang nichts passiert; und intriganten zöglingen traue ich (gefieder rot-grün gepünktet, sehr hübsch) nicht über den weg.
     
  4. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    benjii, nicht dass du hier was in den falschen Hals kriegst: es geht nicht darum, dass ich meine Forderungen "gut" finde. Auch ich würde lieber heute als morgen die guten alten Zeiten der Vollbeschäftigung vorziehen.

    Mir geht es darum, aus unserer Misere raus zu kommen. Selbstverständlich werden Aasgeier aller Art das weidlich ausnutzen - aber das tun Aasgeier auch heute schon und das war "gestern" nicht besser.

    Daneben ist mir so klar wie dir, dass es im nachindustriellen Zeitalter nicht mehr Arbeit für alle geben wird. Erst recht nicht in einem Land, das über keine eigenen Bodenschätze und keinen hinreichenden Binnenmarkt (wie etwa die USA) verfügt und auf Export angewiesen ist. Und eben dieser Export sich der Konkurrenz auf dem Weltmarkt stellen muss- ob er will oder nicht.
     
  5. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich meine, dass die Mehrheit unserer Bevölkerung das durchaus begriffen hat und (wenn auch zähneknirschend) bereit ist, ihren Anteil zum "Vorwärts" beizutragen. Die Lafontaines dieser Welt fängt eh keiner mehr ein...

    Was den Leuten richtigerweise stinkt, ist, dass keine "Linie" drin ist, sondern ein dem Tageshickhack beliebig ausgesetztes Reformwischiwaschi, bei dem die Müntefaselings dem Bürgerprotest hinterherhecheln und dabei mehr Schaden als Nutzen anrichten.
     
  6. donald105

    donald105 New Member

    Nicht nur in der Presse - ich hab erlebt, dass mir Angestellte bei einer Stiftung und Beamte auf eine ganz knappe Kalkulation offen gesagt haben, das mache ihnen der Student so und so aber für einen bruchteil. Klar. Der bezahlt ja auch keine miete fürs büro, hat sich weder software noch rechner gekauft, bezahlt keine ersicherungen und private altersvorsorge (womit unsereins den staat entlastet) und macht eigentlich was ganz anderes - verdient sich nur ein zubrot.
    Und der Angestellte hat auch keinen schimmer, was SEIN arbeitsplatz eigentlich kostet.
    genau wie - anderes thema - der gesetzlich krankenversicherte keine ahnung hat, was er da der gemeinschaft an kosten aufbrummt oder nicht.

    - Mich nervt eigentlich diese untertanen-mentalität, dieses die da oben, herrgott noch mal, dieses nicht-verantwortlich-sein-wollen und nur rumnörgeln, wenn's für mallorca / antalya / domrep oder sony, philips und ja auch: iPod nicht mehr reicht.
     
  7. aoxomoxoa

    aoxomoxoa New Member

    :) :) :)
     
  8. donald105

    donald105 New Member

    1- schön wär's. Der sollte sich wirklich in saarbrücken bedeckt halten

    2- südlich der gürtellinie! ich kenn münte - der hat nen scheiß job angenommen als alter parteisoldat, das ...faseling nimm bitte zurück, in DER partei wollte ich zurzeit kein vorsitzender sein.
    und bürgerprotest - .. bürgergenörgel, oder?
     
  9. benjii

    benjii New Member

    Ja, da stimme ich dir zu.

    Aber ich denke, in Sachen Verteilung der Arbeit ist über kurz oder lang der Staat gefordert. Die Industrie allein wird es nie mehr schaffen, genügend Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Das muss ja nicht bedeuten, dass wir durch staatliche Regelungen unproduktiver werden - es müsste eben genau ausgetüftelt werden. Die Alternative wäre doch ein Riesen-Berg von nicht gebrauchten Menschen, die immer schlechter alimentiert werden würden.

    Wer jetzt ruft "Huh, Staat, nee danke", dem muss ich sagen, dass da schon vieles untergründig in diese Richtung läuft. War beispielsweise mal jemand in letzter Zeit in einem Berufsschulzentrum? Also das unsere hier baut gerade riesig an - die Jugendlichen, die keinen Job finden, werden da halt in Berufsvorbereitungsjahren etc. "geparkt". Man kann sich streiten, ob das jetzt das Gelbe vom Ei ist - aber was ist die Alternative?
     
  10. robdus

    robdus warum gibt es Köln?

    Einen Ansatz zum Thema ist, die Sozialversicherung zu privatisieren. Habt ihr schon mal mitverfolgt, dass ca. 70-80 % der Beitragseinnahmen der Krankenversicherung in der Selbstverwaltung landet? Ursache: Sinnlose Antragsverfahren, ein Berufsbild des (r) Sozialversicherungsfachangestellten (-ter), die mit dem völlig überladenen SGB leben müssen und im Laufe der Zeit genau so "flexibel" sind, Bildung sogenannter stiller Reserven (Immobilien werden gekauft/gebaut und in der Bilanz zu einem wesentlich niedrigeren Wert als dem Tatsächlichen ausgewiesen) weil diese Bildung den Einkommenseffekt in die Zukunft schiebt, usw...

    *jetztaufhörsonstmagenschmerzen*
     
  11. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich weiß auch keine (und "Parkplätze" haben wir hier auch jede Menge...). Ist auch die Frage, was in einem jungen Menschen vor sich geht, der sich nicht gebraucht, sondern geparkt fühlt...

    Meine Kinder studieren noch bzw. gehen auf die Schule. Ich hoffe sehr, dass ihnen das erspart bleibt und rate ihnen täglich, ihre Sprachkenntnisse auszubauen.
     
  12. benjii

    benjii New Member

    Ja, macixus, ich hoffe, dass bei deinen Kindern alles glatt läuft. Denn du triffst den Nagel genau - niemand, und schon gar nicht junge Menschen, fühlen sich "geparkt" wohl.

    Ich habe immer mal wieder mit dem Thema zu tun - es ist meiner Meinung nicht ok, was da abgeht. Viele, vor allem die nicht so Klugen und die mit fremdsprachigen Eltern, dabei speziell die Kinder der Spätaussiedler, wissen genau, dass sie "geparkt" sind und wenig Chancen hier haben bzw. gar nicht erwünscht sind. Die Motivation der Jugendlichen und die dazu gehörende Atmosphäre in den Klassen kann man sich dementsprechend vorstellen.

    Ich war übrigens genau aus dem Grund ein unbedingter Fan der Ausbildungsplatzabgabe. Aber selbst so was war nicht möglich - was ich beim besten Willen nicht verstehen kann.
     
  13. benjii

    benjii New Member

    Donald, das ist wirklich wahr. In meiner Branche greift etwa seit längerem schon das "Praktikantenunwesen" um sich - da werden einerseits Leute entlassen, aber andererseits laufend zwei oder drei Praktikanten "gehalten", die die gleiche Arbeit für einen Apfel und ein Ei machen.

    Die sind zwei oder drei Monate da, hängen sich oft voll rein und verdienen so gut wie nichts. Am Ende sind sie noch froh und dankbar, wenn sie ein schönes Zeugnis bekommen. Viele sind wirklich sympathisch - aber sie glauben mir fast nie, wenn ich ihnen sage, dass sie ausgenutzt werden. Die Meisten sehen es als Chance - ich frage mich nur, wofür. Und im Hinterkopf muss ich natürlich immer an die Kollegen denken, die die Arbeit vorher gemacht haben.

    Es ist ein zynisches Spiel mit den Praktikanten - ich frage mich, warum da nicht mehr Lunte riechen.
     
  14. RaMa

    RaMa New Member

    ja die lieben praktikanten.
    in dem unternehmen in dem ich beschäftigt bin, gibts einen aufnahmestopp für neue mitarbeiter. seitdem bekommt jeder depp einen praktikanten. die praktis freuen sich da sie eh nix zu tun haben, und trotzdem kohle bekommen.
     
  15. Ich merke schon: ein schwieriges Thema.

    In den 80er Jahren, wo die Wirtschaft angeblich boomte, ging es mir ziemlich schlecht. Ich war in dieser Zeit lange arbeitslos und habe natürlich auch die Erfahrung gemacht, daß die Arbeitsämter niemals Arbeit vermitteln sondern immer nur Arbeitslosigkeit verwalten. Ein träges und uneffektives System.

    Seit Anfang der 90er Jahre geht es mir eigentlich ganz gut. Seit einigen Jahren bin ich selbstständig (nicht freiberuflich tätig) - und das läuft eigentlich auch ganz gut. Natürlich weiß ich nie, wie alles in einem halben Jahr aussieht, aber wer weiß das schon?

    Der Kunstbereich reagiert natürlich sensibel auf den Aktienmarkt, doch auch hier habe ich schon Überraschungen erlebt. Also wenn der Aktienmarkt anzog, habe ich bessere Verkäufe auf Messen erwartet, was dann nicht geschah. Und ich hatte andererseits auch schon sehr gute Verkäufe bei depressiven Wirtsschaftsnachrichten.

    Eine Sicherheit kenne ich nicht wirklich. es gibt eine Handvoll treuer Kunden, auf die ich mich verlassen kann. Aber selbst das kann sich ändern. Sammler sterben oder hören auf zu sammeln. Kuratoren und Bibliotheksleiter werden pensioniert und neue sind dann da, die alles ändern wollen - manchmal zum Vorteil; manchmal zum Nachteil. Das ganze Spiel kenne ich schon seit Jahren.

    Meine Rente könnte ich derzeit vergessen. Also treffe ich andere Vorkehrungen zur Alterssicherung. Aber was heisst schon Rente. Für mich wird es das ohnehin nicht geben, da ich bis zu meinem Lebensende arbeiten und Geldverdienen muß.

    Sollte es einmal ganz schlecht laufen, wäre ich mir natürlich nicht zu schade, einen Job für 7 oder 8 EUR zu machen, obwohl ich projektbezogen schon mal das 5 fache verdient habe. Wer weiß?
     

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