1. Liebe Forumsgemeinde,

    aufgrund der Bestimmungen, die sich aus der DSGVO ergeben, müssten umfangreiche Anpassungen am Forum vorgenommen werden, die sich für uns nicht wirtschaftlich abbilden lassen. Daher haben wir uns entschlossen, das Forum in seiner aktuellen Form zu archivieren und online bereit zu stellen, jedoch keine Neuanmeldungen oder neuen Kommentare mehr zuzulassen. So ist sichergestellt, dass das gesammelte Wissen nicht verloren geht, und wir die Seite dennoch DSGVO-konform zur Verfügung stellen können.
    Dies wird in den nächsten Tagen umgesetzt.

    Wir danken allen, die sich in den letzten Jahren für Hilfesuchende und auch für das Forum selbst engagiert haben.

Woran haltet ihr euch fest.

Dieses Thema im Forum "Small Talk" wurde erstellt von Convenant, 25. Juli 2004.

  1. Thine

    Thine mit Eisenschwein

    Eine menschliche Existenz kann sich allenfalls nur dann in einem Vakuum befinden, wenn sie passiv, das heißt inaktiv ist. Jede Aktivität löst das Vakuum auf und verleiht damit der Existenz wie auch deren Handeln einen Sinn.

    Damit stellst Du Deine Existenz pe se in Frage und wirst deshalb nie zu einer Antwort gelangen. Durch die Infragestellung muss auch die "Welt" zwangsläufig absurd erscheinen, weil durch die eigene Negierung kein Bezug zu ihr hergestellt werden kann.

    Indem Du an dem Sinn des eigenen Seins zweifelst, beraubst Du Dich schon im Vornherein der Möglichkeit, diesen Sinn zu finden bzw. zu erkennen bzw. anzunehmen. Denn bereits die Existenz birgt den Sinn in sich.

    Dieser Sinn wird aber erst durch die Aktivität der menschlichen Existenz offenbar, eine Aktivität, die sich sowohl um die eigene Existenz kümmert, sich mit ihr auseinandersetzt und sie selbstkritisch reflektiert - als auch eine Aktivität, die sich mit der "Außenwelt" auseinandersetzt. Wobei ersteres die Voraussetzung von zweiterem ist.

    Erst so kann man zu einem eigenen Standort, wie macixus ihn beschrieben hat, finden. Dieser Standort ist aber ein dynamischer, weil er sich durch Handeln und daraus resultierendem Erfahren immer wieder neu definiert, wenn auch nicht grundlegend. Denn ein Convenant bleibt ein Convenant. Und Thine bleibt Thine, auch wenn es zwischen der Thine 1990 und der Thine 2004 einen Unterschied gibt.

    Diese Dynamik ist es, die mir am Leben außerordentlich viel Freude bereitet. Bewegung (im übertragenen Sinne) und Entwicklung gehören für mich zum Lebenselexier. Stagnation bzw. Stillstand ist das Scheußlichste, das ich mir vorstellen könnte.

    Dynamik, Entwicklung, Bewegung, Lernen - die Kette ließe sich weiter fortführen -, setzen natürlich eine an sich glaubende wie agierende Existenz voraus. Insofern möchte ich nun die eigentliche Frage in der Threadüberschrift beantworten: Ich halte an mir selber fest.
     
  2. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Convenant! Will jetzt nicht so sehr die Hosen runter lassen, aber meine Vorredner haben vollkommen Recht: An einem selbst. Ich für meinen Teil habe auch meine Tiefpunkte, weiß aber letzten Endes immer, was ich wert bin – und das kann mir keine verrückte Welt nehmen.

    Wenn ich das wieder von dir lese: Pfofilierungssucht und Geltungswahn. Mitnichten! Es ist nicht falsch, auch mal was zu fordern oder Ansprüche zu haben, in Grenzen natürlich.
     
  3. turik

    turik New Member

    Ich habe auch einige Menschen in meinem Umfeld, mit denen man stundenlang so gescheit reden kann, wie Convi das hier tut.
    Solche schwermütigen Intermezzi sind in meinem von irdischen Belangen stark befrachteten Leben Gelegenheiten für Rückbesinnung und schüttere Versuche zur Selbstfindung.

    Resignation: Ich kann das Elend dieses (da gebe ich Convenant recht) von uns schon so verhunzten Planeten nicht wesentlich verringern. (Wie weit bin ich dafür verantwortlich?)

    Hoffnung: Beeinflussen kann ich die kleine Welt um mich herum mit meinem positivem Denken, mit positiven Handlungen. Putzfrau nicht nur anlächeln, sondern ernst nehmen!

    Bequemlichkeit: Meine positiven Handlungen färben meine Umwelt, und wie hier oben im Peanuts-Comic, geht es mir und meiner Umgebung schon besser, wenn ich Sympathie aussende. Nett sein, lieb sein, Gutes wünschen = kommt zurück = tut gut. (Kost' übrigens fast nix.)

    Selbstbefriedigung: Vergessen wir nicht unsere animalischen Triebe. Wir haben das Recht, uns mit den gerade zur Verfügung stehenden Mitteln seelisches und physisches Wohlbefinden zu beschaffen. Die Ansprüche sind sehr individuell, sei es ein neuer Smart, oder - wie soeben bei Macixus - eine Schweizer Rösti. :) Womit doch der Erbringung von Arbeitsleistung zwecks Beschaffung von Wohlfühleinheiten eine gewisse Berechtigung innewohnt.

    Woran ich mich festhalte?
    - An der Vergänglichkeit des kurzen menschlichen Lebens, das ich immer noch als Geschenk betrachte.
    - Am Leid, das ich um mich herum schon sehen, akzeptieren und verarbeiten musste, und dass mir zeigte, was für ein kleiner, unwichtiger, relativ zufriedener Furz in der Ewigkeit ich bin.
    - Das beste daran: Es gibt niemand, der mich qualifizieren, bewerten oder gar missbilligen kann. Weil jede/r Zeitgenosse /-genossin auch nur so ein kleiner unwichtiger Furz ist

    Das Wichtigste: Dankbarkeit!
    Jeder Moment des Zufriedenseins erfüllt mich mit Dankbarkeit. Ich danke denen, die - anstatt zu grübeln - mir mein Leben in der jetzigen Form vorbereitet und ermöglicht haben. Ich danke denen, mir Gutes tun und Gutes wollen. Ich bin dankbar, dass ich in kindlich gebliebener Unwissenheit mir mein Leben nicht durch immer wiederkehrende morbide Gedanken noch schwerer mache, und darauf vertrauen kann, dass ich beim unausweichlichen letzten Vorhang nach Hause zurückkehren darf, dorthin, wo wir alle herkommen.



    PS. Ich habe hier vor Tagen das grauenvolle Sterben einer mir sehr nahestehenden, taubblind gewordenen Person beschrieben, die mehrmals - angesichts der Mitteilung des frühen Todes eines jungen Menschen - sagte: "Und dabei hat die/der noch so gut gehört!". Selber Taub geworden, zu vernehmen, dass sich ein körperlich gesunder Mensch das Leben genommen hat: Das war so absurd.
    Und am Grab jener jungen, an Herzversagen aus dem Leben gerissenen Mutter, ihre beiden kleinen Töchter blass an der Hand des traumatisierten Vaters, wo mein Freund Karl M. sagt - und ich glaube es ihm - "Warum hat es nicht mich genommen?!"

    Ich bin halt ein Simpel. Es braucht nicht viel, bis ich zufrieden bin.
     
  4. maximilian

    maximilian Active Member

    Hallo!

    1.) Ich hatte es teilweise schon so verstanden ("Wie groß ist eurer Meinung nach der Spielraum der uns als freier Wille zusteht?")
    Null komma Null ist dieser Spielraum. Im Mikrokosmos (Quantenmechanik) sind es reine Zufallsprozesse, die das Geschehen bestimmen. Der Mikrokosmos geht nahtlos über in den Makrokosmos, welcher ein einziges großes Uhrwerk ist (von den Bahnen der Elektronen um die Atomkerne bis hin zu den Bahnen der Galaxien um das kosmische Zentrum). Dazwischen ist schon rein physilakisch gesehen kein Platz für einen individuellen freien Willen.

    2.) Ich meinte nicht nur die gesellschaftlichen Tretmühlen. Denkt doch einfach mal über ein paar "Entscheidungen" nach, die ihr heute Nachmittag, vor einem Jahr oder vor 20 Jahren getroffen habt. Wart das wirklich Ihr, die da entschieden haben? Alleine? Aus freien Stücken? Hätte es eine Alternative gegeben, die nicht nach einer Woche, einem Jahr oder einem Jahrzehnt an genau denselben Ort geführt hätte, an dem Ihr heute seid?

    3.) Finde ich schon. "Sich unterordnen" heisst in meinen Augen nur, dass man von zwei Übeln das (langfrsitig) kleinere wählt, auch wenn es im Moment eher nachteilig aussieht. Es ist die Folge eines Rechenprozesses, der ausgehend von vorgegebenen und von uns nicht zu beeinflussenden Rahmenbedingungen eine optimale Stategie festlegt. Dieselben Eingansdaten werden dabei immer zu derselben Antwort führen.

    Convenant: "Das hin zu einer Entwicklung drängt?"
    Ja, das "Große Uhrwerk" unseres Universum ist natürlich in einer beständigen Fortentwicklung begriffen. Die Zufallsprozesse auf Qantenniveau sorgen dafür, das immer wieder aufs neue eine scheinbar unendliche Vielfalt an Ausgangsgrößen und Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt wird, aus dem dann ein großer Evolutionsprozess die "besten" (nach welchen Kriterien auch immer hier gut von schlecht unterschieden wird) herausfiltert. Wir einzelne Individuen sind dabei nur Rädchen in einem großen Getriebe, die ihre kleinen Mosaiksteinchen zum Gesamtpuzzle beitragen. Ob wir uns auf einem "guten" oder "schlechten" Zweig des Evolutionsbaumes befinden, können wir nicht wissen - der Trost ist aber, dass in beiden Fällen unser Dasein gleich wichtig ist, denn nur die Existenz eines schlechten Evolutionszweiges macht den guten zum guten.

    So, jetzt muss ich aber endlich die zwei Waschmaschinen voll Wäsche bügeln, die hier schon das ganze Wochenende liegen und dabei das Formel-1-Rennen anschauen, das der Videorecorder heute Nachmittag aufgenommen hat. Das Rennen ist längst vorbei und die Wäsche wird morgen schon wieder schmutzig und zerknittert sein - und doch werde ich eine Stunde lang das Gefühl haben, etwas sinnvolles zu tun und dabei einem aktuellen Geschehen beizuwohnen - genauso, wie in den vergangenen 41 Jahren und den 41 Jahren, die vielleicht noch kommen werden.

    Servus, Maximilian
     
  5. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Irgendwas gefällt mir daran nicht …

    Und an Determinismus glaube ich sowieso nicht. Ich will das nicht als Methode abtun, um alle Schuld an der eigenen schlechten Lage darauf zu schieben, als leichte Ausrede sozusagen, aber mir ist es schon wichtig, ob ich früher oder später dahin komme, wo ich hinkommen werde. Und darauf habe ich Einfluss mittels meiner Entscheidungen, wie du ja selber sagst.
     
  6. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Danke für diesen schönsten, weil wahrsten Satz dieses Threads.

    (Oft verdienen die "kleinsten" Leute den größten Respekt - das ist auch etwas, das ich erfahren und erlernt habe.)
     
  7. donald105

    donald105 New Member

    das sein ist der sinn.
    die lebensumstände sind unterschiedlich, aber für den inhalt ist jeder selbst verantwortlich.
     
  8. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Warum? Nur, weil sich jemand in schlechteren Umständen befindet als ein anderer hat er nicht mehr Respekt verdient als dieser. Mitleidsbonus, oder wie? Konsequente Gleichberechtigung ist die Devise, gleiche Rechte und gleiche Pflichten für alle.

    PS: Was natürlich auch gleiche Möglichkeiten für alle einschließt, die aber nicht gegeben sind. Insofern …
     
  9. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Möglicherweise habe ich ja genuschelt oder du hast noch kawis umstürzende Mülltonnen"musik" im taub gewordenen Ohr...

    Mit Mitleid hat meine Bemerkung nichts zu tun und mit "schlechteren Umständen" auch nicht. Mein Respekt gilt "der Sicht der Dinge", die "kleine" Leute mindestens genauso gut "drauf" haben wie vermeintliche Intellektuelle. Aber um das rauszufinden, bedarf es des Respekts, den sie verdienen. Sonst bleibt es beim Putzfrau anlächeln...
     
  10. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Aha, demnach verdienen die „kleinsten“ Leute oft den größten Respekt (deine Worte), weil sie die „Sicht der Dinge“ besonders gut drauf haben? Das ergibt für mich keinen Sinn.
     
  11. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Für mich auch nicht. Denn das habe ich weder geschrieben noch gemeint.
     
  12. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Ich weiß, wo das Missverständnis liegt, alter Mann. „Oft verdienen die "kleinsten" Leute den größten Respekt“ bedeutet für mich, dass die „großen“ Leute weniger Respekt verdienen, was du so nicht gemeint hast.

    Dein Superlativ passte hier nicht, du meinst „großen Respekt“ anstatt „größten“.
     
  13. turik

    turik New Member

    Der Feind von Respekt ist Überheblichkeit.
     
  14. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Ich meine immer, was ich sage. :bart:

    Selbst der Superlativ passt: großen Leuten den größten Respekt entgegenzubringen ist ja keine Kunst, bei kleinen Leuten hingegen macht der Superlativ durchaus Sinn, du junger Krümelkacker. :cool:
     
  15. oli2000

    oli2000 Rest-Optimist

    Nein. „Größten“ ist wertend, aber ich weiß jetzt, was du sagen wolltest und gebe dir Recht.
     
  16. macixus

    macixus Hofrat & Traktorist

    Das ich das noch erleben durfte... Vielen Dank, Leben! :D
     
  17. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Genau. Also findest du auch dein Leben in diesem Leerraum welcher willkürlich und frei durch deine Handlungen mit Leben und mit Sinn gefüllt werden will. Es geht mir doch einfach nur darum, dass da kein von vorneherein vorgegebenes Etwas in Bewegung gesetzt wird, sondern dass aller Sinn, aller Grund aus einem Selbst heraus kommt.

    Ich bin der Meinung, dass es der einzige Weg ist, etwas über die Position des Ich in der Welt zu erfahren, indem man das ich selbst in Frage stellt. Erst durch Zweifel wird überlegt, erst was angezweifelt wird, kann bedacht werden.

    Es ist die größte Freiheit die wir als Bewußtsein haben, uns selbst, unseren Grund in Frage zu stellen. Es ist der größte Antrieb den wir haben, unser Sein auf festen Grund zu stellen. Wen möchtest du daran hindern, sich selbst zu hinterfragen. Wie sonst können wir uns hinterfragen außer durch die Frage nach dem Sinn. Und wenn ich die Frage nach einem Sinn stelle, muss ich dann nicht auch den letzten Schritt wagen und den Sinn selbst in Frage stellen? Bin ich sonst nicht auf halbem Wege stehen geblieben? Oder ist eine solche Frage ungesund?

    Ebenjenes ist mit gemeint, wenn ich sage, dass dieses Vakuum mit Sinn und Leben gefüllt werden will.

    Ich hab' nun schon dass Gefühl, als reden wir aneinander vorbei. Ich stelle das Leben zwar in Frage, doch negiere ich es nicht. Natürlich muss die Position immer wieder bestimmt werden, bestimmt unser Handeln immer wieder unsere Position – abgegrenzt im Spielraum den uns unser Charakter, unser Wesen lässt. Geschaffen durch Erziehung, Erfahrung und Vererbung.

    Äh, ja. Da stehst du sicherlich nicht alleine. Ich hoffe nun, dass du mich nicht als auf der Stelle hüpfendes kleines Männchen betrachtest.

    Ja. Weil es da nichts anderes gibt, an was es sich festhalten ließe. Am Ende wird man immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Da hilft kein Gott, keine Moral, keine Ethik, keine Droge, keine Liebe. Das ist meine Meinung – hat den Anschein als unterschiede sie sich nicht allzusehr von deiner.
     
  18. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Schön, dass du ihn so mühelos herausdeuten konntest.
     
  19. Convenant

    Convenant Haarfestiger

    Naja, was führst du hier Offensichtlichkeiten an. Sicherlich muss ich mir gewahr bleiben, dass ich als Mensch einer unter Milliarden bin. Andererseits hab' ich in meinem Leben schon genug Idioten, Menschen die unfähig waren sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen und zu reflektieren, kennen gelernt. Und um nun deine Putzfrauenmetapher zu bemühen, das Akzeptieren der eigenen Lebensumstände mag zufrieden stimmen, auch ein gerüttelt Maß an Weisheit zeigen, doch ob dieses eins sein mit der Welt für jede Reinigungsfachkraft gilt wage ich doch zu bezweifeln.
     
  20. MacDragon

    MacDragon New Member

    Hört sich für mich nach Schopenhauer an "Die Welt als Wille und Vorstellung..."

    Meine Meinung dazu. Tippend zu philosophieren (oder ist das filosofieren) ist mir zu anstrengend. Stichworte müssen genügen.
     

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